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Dresdner Sportclub 1898 e.V. Abteilung Fußball | 11. August 2020

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Serie „DSC-Geschichte ab 1990“: Teil 3 = 1996-1998

20.04.2020

Serie „DSC-Geschichte ab 1990“: Teil 3 = 1996-1998

Heute gibt es den dritten Teil unserer Serie mit einem Rückblick auf die DSC-Geschichte seit der politischen Wende 1990. In Teil 1 gings für den DSC stetig nach oben. Im zweiten Teil der Serie folgte dem Abstieg aus der Oberliga der sofortige Wiederaufstieg. Der Durchmarsch in die Regionalliga scheiterte dann nur knapp. Nun blicken wir auf die Saisons 1996/97 und 1997/98 zurück und wieder geht’s um die sportliche Entwicklung, ein paar Fakten und Zahlen sowie Anekdoten am Rande. Insbesondere steht aber auch die machtpolitische Entwicklung im Fokus.

 

Saison 1996/97 (NOFV-Oberliga Staffel Süd)

Wir erinnern uns kurz: In der Vorsaison kam der DSC auf Rang 4 ein, durfte sich an den Aufstiegs-Relegationsspielen beteiligen, gewann diese, stieg aber trotzdem nicht auf, weil die Konkurrenz gegen die Dresdner spielte. Das Ziel lautet aber weiterhin: Profifußball bis 1998! Zwei Aufstiege in Folge also. Ambitioniert! Überambitioniert? Immerhin rüstete der Sportclub mit einem Saisonetat von rund 900.000 DMark ganz schön auf und holte sich einige namhafte Neuzugänge an Bord.

Die Saison wird zum Städtekampf Dresden gegen Magdeburg. Der DSC ist dabei aber in Unterzahl und hat es gleich mit zwei Teams aus der Domstadt elbabwärts zu tun, mit dem 1. FC Magdeburg und Fortuna Magdeburg. Denn diese drei Teams enteilen in der Tabelle allen anderen und machen den Staffelsieg unter sich aus. Zur Herbstmeisterschaft liegt der FCM (30 Punkte) knapp vorm DSC und Fortuna (je 28 Pkt.).

Und auch danach bleibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Vorentscheidend ist der vorletzte Spieltag. Der FCM spielt in Bischofswerda nur 1:1, während der DSC bei Fortuna Magdeburg antritt. Doch auch hier heißt es am Ende 1:1 und die Schwarz-Roten bleiben einen Punkt hinter den Blau-Weißen. Gleichschritt dann auch am letzten Spieltag. Der DSC besiegt den Bornaer SV mit 1:0 und der FCM feiert mit gleichem Ergebnis gegen den FSV Hoyerswerda vor über 9.000 Zuschauern im alten Ernst-Grube-Stadion den Aufstieg. Für die Friedrichstädter bedeuten 62 Punkte einen Punkt Rückstand (58:20 Tore). Fortuna wird Dritter mit 61 Punkten. Da alle drei Teams 18 Siege vorweisen können, hätte übrigens auch die alte 2-Punkte-Regel nichts am Ausgang verändert. Fünfter wird derweil der FV Dresden-Nord, heute SC Borea Dresden und beginnt als Aufsteiger eine lange Phase der Zugehörigkeit in der Oberliga.

Der DSC hat im Saisondurchschnitt 689 Zuschauer bei den Heimspielen, drittbester Ligawert hinter den beiden Magdeburger Mannschaften. Der Staffelsieger hat aber damit im letzten Spiel fast so viel wie die 1898er insgesamt. In den Spielen gegeneinander gibt es jeweils Heimsiege. In Dresden heißt es 3:2, in Magdeburg gewinnt der FCM mit 2:1.

Aber: es gibt wiederum eine zweite Chance mit Aufstiegsspielen. Steigt in der Regionalliga Nordost der Staffelsieger Energie Cottbus in seinen Aufstiegsspielen gegen den Hannoverschen SV 96 auf, gibt es aus den NOFV-Oberligen einen dritten Aufsteiger. Und Cottbus schafft es. Der Sportclub muss gegen den Oberliga-Zweiten aus der Nordstaffel ran, die Amateure von Hansa Rostock, die in der Liga klar hinter dem SV Babelsberg 03 einkamen. Machen wir es kurz: der DSC verliert beide Spiele knapp mit 1:0 und verbleibt in der Oberliga während den Norddeutschen der Durchmarsch von der Verbandsliga in die Regionalliga gelingt.

Weitere Highlights der Saison: Die A-Jugend des DSC steigt in die Regionalliga auf. Die Senioren holen die Stadtmeisterschaft. Bester Torschütze alle DSC-Teams wird Horst Rau junior, Sohn des Trainers der 1. Männer. 50 Tore in 26 Spielen der Stadtliga der E-Junioren machen es möglich. Als Trainer fungierte (neben Vater Horst Rau) übrigens Dietmar Müller. Dietmar Müller war in der Folge nicht nur in vielen Nachwuchsteams aktiv, sondern auch viele Jahre Nachwuchsleiter des DSC. Noch heute kümmert er sich um viele Belange rund um den Nachwuchs und hat im Laufe der Jahre und Jahrzehnte viel erlebt.

Nach Siegen über den VFC Plauen (3:2 / H), Borna (3:0 / A), VfB Auerbach (4:1 / A) und Erzgebirge Aue (7:6 n.E., 2:2, 3:3 / H) steht der DSC zudem im Landespokalfinale gegen den Chemnitzer FC. Und wieder hat man Lospech. Das Spiel findet beim Gegner im Stadion an der Gellertstraße statt. Gegen den Vierten der Regionalliga hat man vor 3.002 Zuschauern keine Chance und verliert mit 3:0.

Im Sommer 1996 wechselte mit Nikica Maglica ein Spieler vom damaligen Regionalligisten Dynamo Dresden zum DSC, der zuvor schon in einigen Kurzeinsätzen Bundesliga-Erfahrungen sammeln durfte. Der Kroate sollte fünf Saisons beim Sportclub spielen, ehe es für ihn zum OFC Neugersdorf ging. 2004 kam „Niki“ zurück und spielte für den DSC noch einmal in der Landes- sowie Bezirksliga und half vorm Karriereende in ein paar Spielen auch noch im Stadtbereich bei der DSC-Zweiten aus. Im Jahr 2005 agierte Maglica zudem für einige Monate als Spielertrainer.

 

Saison 1997/98 (NOFV-Oberliga Staffel Süd)

Der 1. FC Magdeburg war als Konkurrent also schon einmal weg. ‚Von oben‘ kam kein neuer Kontrahent dazu, so dass die Aufstiegsanwärter in der neuen Spielzeit erneut DSC, Fortuna Magdeburg und VfL Halle 96 heißen. Die Saison startet mit einem Spiel beim FV Dresden-Nord im Harbig-Stadion. Schon damals ließen die Sicherheitsbedingungen und der Zuschauerandrang ein Spiel im Jägerpark nicht zu. Der Sportclub siegt 2:1 und ist von Beginn an oben voll dabei. Nur einen Monat später ist gegen die Nordlichter in der Ausscheidungsrunde des Landespokals aber Schluss. Nach torlosen 120 Spielminuten vergibt Maglica gegen Rüdiger Huster im Elfmeterschießen und das Spiel endet 4:5.

Während Elektromeister Bernd Engst (vom neuen Trikotsponsor „EBE – Elektro Bernd Engst“) DSC-Präsident wird und den „Nachwende-Chef“ Hartmut Paul ablöst, gibt es am 9. September 1997 ein Freundschaftsspiel gegen Regionalligist Dynamo Dresden – unter dem Titel „Dresdner Fußballfest“ treffen die Stadtnachbarn aufeinander. Aus heutiger Sicht im Rückblick gab es im offiziellen Programmheft von FOL – Fußball online einige amüsante Statements zu vernehmen. So wird DSC-Trainer Horst Rau z.B. folgendermaßen zitiert: „Wir sollten die heutige Begegnung dazu nutzen, um nachzudenken, wie wir uns bei aller Konkurrenz gemeinsam unterstützen können. So kann ich mir durchaus vorstellen, dass uns Dynamo-Fans bei entscheidenden Aufstiegsspielen unterstützen und nicht auspfeifen. Ich denke, dass wir in den Vereinsführungen und auf dem Platz nach vorn denken müssen, wenn Dresdens Fußball wieder das werden soll, was es schon mal war: erstklassig.“

Sein Gegenpart bei Dynamo, Coach Hartmut Schade – beide hatten übrigens zwanzig Jahre zuvor gemeinsam das schwarz-gelbe Dress getragen, sagte: „Ich hoffe sehr, dass die zweifellos nach der Wende aufgebrochenen Probleme zwischen beiden Vereinen endgültig begraben sind. … Wir müssen alle an einem Strang ziehen, wenn Dresden wieder eine Adresse im bezahlten Fußball werden soll.“ Sascha Schönfeld, der zuvor zwei Jahre beim DSC gespielt hatte, war in der Sommerpause übrigens zur SGD gewechselt. In die andere Richtung geht es für Sören Holz im ersten Drittel der Saison. Ein Spiel beider Vereine nach der Wende hatte es zuvor schon gegeben. Am 8. Juli 1992 siegte Bundesligist Dynamo beim Oberligisten DSC mit 2:0. Sven Kmetsch und Torsten Gütschow steuerten vor 1.200 Zuschauern die Tore bei.

Aber nochmal zurück zum Führungswechsel beim DSC im September 1997. Es rumort seit Saisonbeginn unter der Decke – vermutlich ausgehend vom Sponsoren-Pool bzw. Förderverein „Club der Hundert“, dem offiziell zu dieser Zeit etwa 95 Personen und Firmen angehören. Im Club der Hundert ist auch Arnold Vaatz, der damalige Bundesumweltminister. Der 8. Spieltag ist gespielt und der Sportclub rutscht durch ein 0:1 im Heimspiel gegen Fortuna Magdeburg von Platz 1 auf Rang 3 ab.

Neu-Präsident Bernd Engst holt sich Rat bei den lokalen Fußball-Experten und fragt sich mit Manager Matthias Schulz, ob man aufstiegstauglich ist. Trainer Horst Rau sieht dagegen vor allem eine Sponsoren-Kampagne: „Selbst nach zwei Spielen, als wir mit sechs Toren und sechs Punkten Tabellenführer waren, forderte man meinen Rücktritt. Präsident Hartmut Paul haben sie schon gekippt, ich soll der nächste sein. … Die größeren Probleme der Fußball-Abteilung liegen woanders. Aber darüber will ich nicht sprechen, bei uns ist schon genug Unruhe.“

Im Sponsoren-Pool galt damals wohl das Credo, dass jeder eine Eintrittsgebühr von 1.898 Mark zahlt und danach pro Monat 100 Mark. Das Geld floss laut Zeitungsberichten aber wohl auch unregelmäßig, was Planungen zu Saisonbeginn schwer machte. Engst jedenfalls holte sich Expertenrat, getreu dem Motto: Ist die Mannschaft qualitativ aufstiegstauglich, dann liegts am Trainer und ein Tausch muss her. Es dauert noch ein paar Wochen, doch vorm Spiel gegen den 1. Suhler SV am 25.10.1997 ist Schluss. Rau selbst wirft das Handtuch und kündigt auf Grund von Meinungsverschiedenheiten mit einigen Personen im Vorstand. Dieser macht Manager Schulz für zwei Wochen zum Interimstrainer.

Danach wird laut Zeitungsberichten Dessaus Trainer Peter Kohl schon als sicherer Nachfolger genannt – nur die Unterschrift stünde noch aus, nachdem er auch im Stadion schon gesichtet wurde. Doch Matthias Schulz bleibt Trainer während Rau zurückkommt – aber nur beim Gastspiel als Trainer mit dem Bischofswerdaer FV, übrigens sein drittes Engagement bei den Schiebockern.

Nebenbei kursieren immer wieder Gerüchte um neue Stürmer aus Ghana bzw. Brasilien – eine lebendige Zeit und viele der Sponsoren und Entscheidungsträger wollten da wohl mitreden und etwas Großes starten. Einerseits gut, aber mit vielen Jahren Abstand vielleicht schon der Anfang vom Ende – sich anbahnender Übermut gepaart mit vielschichtigen Machtansprüchen. Man weiß es nicht, reine Mutmaßung. Zumindest geisterten schon hier immer wieder Geldsorgen umher. So wurden zum Beispiel Ablösesummen für gekaufte Spieler verspätet gezahlt.

Zurück zum Saisonverlauf: nachdem die 98er Fortuna Magdeburg lange hinterherlaufen gibt es am 8. März 1998 einen 1:0-Auswärtssieg im direkten Duell, der DSC ist wieder punktgleich Zweiter. Danach geht es spannend zu. Doch erst am vorletzten Spieltag gelingt der Sprung nach ganz oben. Mit einem 2:0 gegen den Bornaer SV 91 zieht man an Fortuna vorbei, da diese in Suhl Federn ließen. Letzter Spieltag, Sonntag, 24. Mai 1998, Wesenitzsportpark: der DSC gewinnt mit 2:0 in Bischofswerda und steigt mit zwei Punkten Vorsprung vor Magdeburg in die Regionalliga auf.

Und sonst so? Die A-Jugend hat mit Trainer Frank Lippmann und Spielern wie z.B. Krause, Hetzer, Menze, Opitz in der Regionalliga keine Chance und steigt postwendend wieder in die Landesliga ab. Die 2. Männer wird Sechster der Bezirksliga Dresden. 477 Zuschauer sehen im Durchschnitt die DSC-Oberliga-Heimspiele. Viertbester Wert der Liga, unter anderem hinter Zuschauerkrösus Hallescher FC, der jedoch in die Verbandsliga absteigen muss.

Es wird eine Dresdner Fußball-Pyramide geplant. Nachdem Dynamo und der FV Nord dazu im Gespräch waren, sagt auch der DSC im März zu, mitzumachen. Für einen Aufschwung im Dresdner Fußball. Doch letztlich verläuft dies alles mehr oder weniger im Sande.

Das Internet hält Einzug. Der DSC erwähnt in den eigenen Printmedien, dass es „unter http://members-aol.com/dsc1898 Neuigkeiten zur Ersten, zum Nachwuchs und dem Fanprojekt gibt.“

Die Sächsische Zeitung berichtet aus Suhl: „Unschöne Ereignisse gab es am Rande Nach beiderseitigen Provokationen lauerten etwa 20 Suhler Anhänger den acht mitgereisten DSC-Fans auf. Drei wurden krankenhausreif geschlagen, der Kleinbus der Dresdner demoliert.“ DSC-Geschäftsführer Michael Krämer telefonierte Hilfe heran und ein Suhler landete im Gewahrsam.

Tino Wecker kommt zum Saisonbeginn aus Zittau zum DSC. Dafür verlässt nach dem Aufstieg die 34-jährige DSC-Legende Dirk Losert den Verein. Der jahrelange Führungsspieler, Kapitän und Libero war seit 1990 am Aufstieg des DSC beteiligt. Sein weiterer Weg als Spieler führte ihn nach Bischofswerda und zum FV Dresden-Nord. Wenig später sollte er für kurze Zeit nochmal als Co-Trainer (unter Hans-Jürgen Kreische) in die Friedrichstadt zurückkommen. Später agierte Losert noch als Coach der 4. Mannschaft von Dynamo Dresden sowie des Post SV Dresden.

Ach so, noch was: in dieser Saison wurde die Regel eingeführt, dass verletzte Spieler das Spielfeld zur Behandlung verlassen müssen. Vorher wurde alles auf dem Feld gemacht und gewartet. Und ganz nebenbei: der 1. FC Kaiserslautern holt sich als Aufsteiger die Deutsche Meisterschaft in der 1. Bundesliga.

 

Serie „DSC-Geschichte ab 1990“: bisher erschienen
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