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Dresdner Sportclub 1898 e.V. Abteilung Fußball | 25. Juni 2017

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Geschichte des Dresdner SC 1898 e.V.

Tradition & Geschichte seit 1898

Geschichte

Am 30. April 1898 wurde der Dresdner Sportclub in der Gaststätte des Dresdner Hotels „Stadt Coblenz“ gegründet. Bei der ersten Mitgliederversammlung des Dresdner Sportclubs einigten sich die 13 anwesenden Personen auf die Vereinsfarben Schwarz-Mohnrot und die DSC-Fahne als Vereinsemblem. Von Beginn an wurden Fußball, Leichtathletik und Radsport im Verein betrieben.

Die DSC-Geschichte ausführlich in 8 Zeit-Abschnitten
TEIL I: Die Anfänge (1886 - 1925)

Schon sehr früh kam kam der Fußball nach Dresden. In einer Zeit, in der sich beispielsweise in München, Dortmund, Leverkusen, Gelsenkirchen und Nürnberg noch gar nichts tat. Unter der Leitung von Herrn Bier (Direktor der Turnlehrerbildungsanstalt Dresden) spielten 12- bis 14-jährige Jungen im Herbst 1886 erstmals auf einer Schmelzwiese im Dresdner Ostragehege (dem späteren DSC-Platz) organisiert Fußball nach den englischen Regeln. 1890 gründeten in Dresden lebende Engländer den ersten Verein.

Der größte Tag dieses "Dresdner Football-Clubs" schlug am 18. April 1892, als auf dem Berliner "Exercirplatz Einsame Pappel" eine Berliner Auswahl mit 3:0 besiegt wurde. Unter den zahlreichen Zuschauern befanden sich auch Vertreter des preußischen Kulturministeriums und der englische Botschafter in Berlin. Trotzdem schlief der Dresdner FC kurz danach wieder ein. Aber das Fußball-Fieber war in und um Dresden schon ausgebrochen. Fußball spielende Mitglieder der "Turnerschaft 1877 Löbtau" (Löbtau wurde 1903 nach Dresden eingemeindet) machten sich in Ehrfurcht vor dem alten Dresdner FC als "Neuer Dresdner Fußball-Club" (ab 1899 Dresdner SG 1893, ab 1945 SG Löbtau, ab 1949 BSG Konsum Dresden, ab 19. August 1952 BSG Empor Dresden-Löbtau, seit 3. Juli 1990 SpVgg Dresden-Löbtau 1893) selbstständig.

Fünf Jahre später schlug dann die Geburtstunde des Dresdner SC: Elf junge Männer, davon fünf ehemalige Mitglieder des Neuen Dresdner FC, die im März 1898, da sie neben Fußball auch andere Sportarten treiben wollten, was sie beim NDFC aber nicht durften, ausgetreten waren, gründeten am 30. April 1898 um 12 Uhr mittags in der Gaststätte des Hotels "Stadt Coblenz" in der Pfarrgasse 3 den "Dresdner Sport-Club". Sechs Tage später einigte man sich auf die Vereinsfarben Schwarz-Rot und die DSC-Fahne als Vereinsemblem. Am 13. Mai 1898, ohne jegliches Training vorher, besiegte der DSC in seinem ersten Spiel den Neuen Dresdner FC mit 4:1. Drei Tage später fand das erste Training an der Canalettostraße statt. Am 20. Mai 1898 wurde erstmals im Ostragehege trainiert.

Das in Dresden etwas vor sich ging, sprach sich schnell herum und so wurde der DSC am 4. Dezember 1898 nach Prag eingeladen und erreichte bei seiner internationalen Premiere auf der Kaiserwiese ein 0:0 gegen den damals berühmten DRuFC Prag. Im März 1899 wurde die 2. Mannschaft gegründet, ein paar Wochen später die Juniorenmannschaft, die aber mangels gleichartiger Gegner vorerst gegen Männerteams antreten musste. Dann ein erster Schicksalsschlag: Am 23. August 1899 untersagte die sächsische Landesregierung dem DSC den Spielbetrieb im Ostragehege. Neuer Spielort wurde danach der Sportplatz in Dresden-Strehlen, bevor die inzwischen vier Mannschaften ab 1902 auf dem Sportplatz an der Lennéstraße spielten. 1904 wurde dann schließlich der DSC-Platz an der Nossener Brücke in Betrieb genommen. Das Gelände verfügte über zwei große Spielfelder und einen großzügigen Umkleideraum mit Waschgelegenheit, was in der damaligen Zeit einer Sensation gleichkam. Parallel zum Fußball entwickelte sich der DSC, ganz im Sinne der Vereinsgründer, zum großen Sport-Club. Bis heute wurden beim DSC insgesamt 29 Sportarten betrieben. Bei den Olympischen Spielen wurden 87 Medaillen von DSCern gewonnen, dazu kamen hunderte Welt- und Europameistertitel sowie unzählige nationale Titel.

Legendäre Erfolge wie die vom DSC-Boxer Herbert Nürnberg (Europameister 1937 und 1939), der 1936 nicht an den Olympischen Spielen in Berlin teilnehmen durfte, weil den Nazis seine Nase zu krumm war oder vom DSC-Leichtathleten Rudolf Harbig (sechsfacher Weltrekordler) sind auch in der heutigen Zeit, wo eher die Volleyballerinnen und Wasserspringer(innen) den Ton im über 2000 Mitglieder zählenden Verein angeben, unvergessen. Manche DSC-Sportarten haben noch viel ältere Wurzeln, so Turnen (1844), Fechten (1861) und Schach (1876). Aber zurück zum Fußball: 1902 gewannen die Mohnroten die erstmals ausgetragene Meisterschaft Ostsachsens, die sie sich bis 1912 alljährlich sicherten (außer 1910). Beweisen musste man sich vor allem in Freundschaftsspielen: Am 13. April 1903 erreichte der DSC beim FK Reichenberg (heute FC Slovan Liberec) ein 2:2. Eine weitere Partie beim FK Gablonz (heute FK Jablonec) wurde mit 10:0 gewonnen.

Die große Stunde schlug am 24. April 1905, als der DSC zum ersten Mal Mitteldeutscher Meister wurde: Er gewann das Finale gegen den Halleschen FC 1896 (heute VfL Halle 1896) mit 3:2 und wurde Dritter der Deutschen Meisterschaft, nachdem er im Halbfinale am späteren Deutschen Meister Berliner TuFC Union 1892 (heute SV Blau-Weiß Berlin) gescheitert war. 1907 bewies man abermals in Freundschaftsspielen sein Können: Der DSC schlug den Deutschen Meister VfB Leipzig mit 5:1, den DFC 1892 Prag mit 2:1 und den ältesten noch bestehenden deutschen Fußballverein Berliner FC Germania 1888 mit 9:1. Nur gegen den englischen Portsmouth FC gab es eine 1:6-Klatsche. Beim ersten offiziellen Länderspiel auf deutschem Boden (20. April 1908, Deutschland - England Amateure, 1:5 vor 7000 Zuschauern in Berlin-Mariendorf) stand mit Arno Neumann der erste von insgesamt 17 A-Nationalspielern des DSC auf dem Platz. Dieser damals 23-jährige Arno Neumann, welcher später DSC-Präsident (1924 bis 1929) werden sollte, war danach noch zwei Jahrzehnte beim DSC aktiv, galt in den Zwanzigern als ältester deutscher Erstligaspieler und spielte sogar noch in den Fünfzigern Altherrenfußball (nachdem er in der DDR wegen seiner demokratischen Gesinnung einige Jahre im Gefängnis verbringen musste). Die Rothemden waren mittlerweile europaweit bekannt und reisten durch die Weltgeschichte. Bei einer Russland-Tour im Oktober 1911 spielte man u. a. vor 6000 Zuschauern in St. Petersburg gegen die russische Nationalmannschaft (2:2).

Die Begeisterung über den DSC war groß, die DSC-Plätze an der Nossener Brücke reichten nicht mehr aus, um dem Ansturm Herr zu werden. Am 31. März 1912 wurde der neue DSC-Platz am Schützenhof in Trachau eröffnet, aber auch dieses Stadion war bald zu klein. Trotz der Verluste im Ersten Weltkrieg (1925 wurde das Ehrenmal für die gefallenen Mitglieder des DSC im Ostragehege eingeweiht, welches 1956 von den kommunistischen Machthabern stillschweigend entfernt und entsorgt wurde), konnte am 12. Oktober 1919, vor allem durch Spenden und freiwillige Arbeitsstunden der Mitglieder, das DSC-Stadion im Ostragehege eröffnet werden. Sportlich dagegen war der DSC plötzlich in Dresden nicht mehr unbesiegbar. Zwar holten sich die Friedrichstädter 1916, mitten im Krieg, noch ihre elfte Ostsächsische Gaumeisterschaft sowie 1918 und 1919 den nur in diesen beiden Jahren ausgetragenen Ostsächsischen Gaupokal, aber die große Zeit war erst einmal vorbei.

TEIL II: Der lange Weg an die Spitze (1925 - 1945)

Geschichte

Ab der Saison 1925/1926 hatte der DSC wieder seine Vormachtstellung in Dresden inne und zwar mit einem jungen talentierten Team, das viel für die Zukunft versprach. Die Ostsächsischen Gaumeisterschaften 1926 bis 1933 (insgesamt 19) wurden allesamt errungen. 1926, 1929, 1930, 1931 und 1933 durfte man sich wieder Mitteldeutscher Meister nennen, 1928 (erste Austragung) und 1933 (letzte Austragung) Mitteldeutscher Pokalsieger.

Aber bei der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft versagte der DSC regelmäßig, wenn auch meistens nur knapp. Lediglich 1930 gelang mal der dritte Platz. Dem DSC fehlte einfach noch die nötige Erfahrung und Cleverness. In Freundschaftsspielen gegen amtierende Deutsche Meister sah das ganz anders aus (1931 gegen Hertha BSC 4:3, 1933 gegen den Düsseldorfer TSV Fortuna 1895 4:1, 1937 gegen den 1. FC Nürnberg 5:3). Der "Kicker" sprach schon vom zukünftigen Deutschen Meister. DSC-Stürmer Richard Hofmann war unter der Leitung des legendären DSC-Trainers James "Jimmy" Hogan zum deutschen Rekordnationalspieler und -torschützen gereift.

1934 wurde DSC-Torwart Willibald Kreß ("Der schöne Willy" galt als erster "Sunnyboy", als Frauenschwarm des deutschen Fußballs) mit der Nationalelf WM-Dritter. Aber es gab auch immer wieder Rückschläge auf dem langen Weg an die Spitze: Am 18. Oktober 1928 wurde das Vereinshaus und die gesamte Holztribüne im Ostragehege ein Opfer von Flammen, aber schon am 24. November 1929 wurde das neue Vereinsheim und die neue Steintribüne eingeweiht, am 31. August 1930 die neue Holztribüne. Der Sport-Club boomte. Im Frühjahr 1934 wurde die erste Meisterschaft in der von den Nazis neugeschaffenen Gauliga Sachsen errungen (weitere Titel 1939, 1940, 1941, 1943 und 1944).

Am 21. Juli 1940 erreichte der DSC schließlich erstmals das Finale um die Deutsche Meisterschaft, in dem er mit 0:1 vor 90000 bis 105000 (die Quellen widersprechen sich, laut "Kicker" 95000) knapp dem FC Schalke 04 unterlag. Einige Monate später gab es dann doch noch einen Titel zu feiern: Am 1. Dezember 1940 wurde der DSC mit einem 2:1 nach Verlängerung gegen den 1. FC Nürnberg erstmals Deutscher Pokalsieger. Ein Jahr später, am 2. November 1941, verteidigte der DSC mit einem 2:1 gegen den FC Schalke 04 den Pokal und durfte sich von da an Deutscher Rekordpokalsieger (bis 1962) nennen. Nach diesem Triumph wurde der Großteil der Stammelf in den Krieg gerufen. In vielen Spielen musste der DSC fortan sogar mit seiner Juniorenmannschaft antreten. Für den Pokal-Wettbewerb 1942 wurde der DSC als Titelverteidiger nicht für die 1. Hauptrunde gesetzt. Hintergrund dieser "Bestrafung": Die DSC-Kicker hatten sicht nicht von den Nazis vereinnahmen lassen. Sie wurden erfolglos zum Eintritt in die NSDAP gedrängt.

Ein Jahr später war der DSC dann dennoch ganz oben: Mit einem 3:0 gegen Saarbrücken wurde der DSC am 27. Juni 1943 vor 80000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion endlich Deutscher Meister. Fast alle DSCer waren inzwischen Soldaten geworden, aber es kamen immer wieder neue Spieler aus der eigenen Jugend (der besten in Deutschland) nach oben und wer von den Heimaturlaubern auflief, war meist Zufall. DSCer Herbert Pohl, der als einzigster aus der Meistermannschaft heute noch lebt, lief auf, obwohl er im Krieg seinen linken Arm verloren hatte. Die 18 Gauligaspiele vor der Endrunde endeten trotz aller Widrigkeiten mit einem Rekord: 36:0 Punkte und 136:14 Tore. 200.000 Menschen aus nah und fern feierten die DSC-Meisterkicker bei ihrer Ankunft auf Dresdens Straßen. Am 18. Juni 1944, inzwischen tobte der "Totale Krieg" immer mehr, verteidigte der DSC mit einem 4:0 über Hamburg seinen Deutschen Meistertitel im Berliner Olympiastadion. Obwohl der Endspielort aus Angst vor Bomben offiziell geheimgehalten wurde, kamen 76000 Zuschauer.

Das Double konnte sich der DSC, vom Können seiner Spieler mittlerweile auf dem Zenit angelangt, aber abschminken, denn am 1. August 1944 wurde der Pokal kriegsbedingt abgebrochen. Der DSC verteidigte kurz zuvor noch seinen Sächsischen Pokal. Am 31. Dezember 1944 wurde der Sport-Club mit einem 6:0 gegen den TV 1846 Meißen noch Dresdner Bezirksmeister 1945, die geplanten Endrunden um die Sächsische und die Deutsche Meisterschaft fanden kriegsbedingt aber nicht mehr statt. Nazi-Deutschland war zum Glück endlich am Ende und unter diesen Umständen konnte auch der DSC froh sein, dass der Spielbetrieb endgültig zusammenbrach, obwohl dem "Dresdner Kreisel" der dritte Deutsche Meistertitel in Folge allgemein zugetraut wurde. Kurz darauf versank Dresden in Schutt und Asche. Die erste Zielmarkierungsbombe der englisch-amerikanischen Bomberverbände wurde am 13. Februar 1945 auf das DSC-Stadion im Ostragehege abgeworfen.

TEIL III: Alter Glanz zwischen Trümmern (1945 - 1950)

Mit der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands am 8. Mai 1945 galt der DSC, wie zunächst alle deutschen Vereine, als verboten und musste sich spätestens bis zum 1. Januar 1946 vollständig auflösen. Die "Sportgemeinschaft Friedrichstadt" wurde als Nachfolgeorganisation gegründet. Das DSC-Vereinseigentum wurde einkassiert.

Die SG Friedrichstadt behauptete sehr schnell wieder ihre Vormachtstellung in Dresden. 1947 und 1949 wurde die Dresdner Bezirksmeisterschaft errungen, 1949 sogar die Sächsische Landesmeisterschaft. Am 9. September 1948 gab es einen Zuschauerrekord im DSC-Stadion im Ostragehege, welches kurz darauf den Namen des von den Nazis hingerichteten Kommunisten Heinz Steyers erhielt: 80000 Zuschauer sahen einen Auftritt des sowjetischen Alexandrow-Ensembles. Eigentlich sollte das Stadion den Namen des DSC-Stars Rudolf Harbig erhalten, was aber von den Politikern abgelehnt wurde. Letztendlich gab es später aber doch noch ein Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden, als die Ilgen-Kampfbahn an der Lennéstraße 1951 umbenannt wurde.

Am 14. November 1948 traf Rückkehrer "King Richard" Hofmann in seinem ersten Spiel für die SG Friedrichstadt viermal. Endstand: 23:0 im Punktspiel gegen die SG Lommatzsch (heute Lommatzscher SV 1923), der höchste Sieg der Vereinsgeschichte. Den ersten großen Skandal gab es am 29. Mai 1949: Die SG Friedrichstadt unterlag bei der ZSG Union Halle (heute Hallescher FC) im Viertelfinale um die Ostzonenmeisterschaft mit 1:2. Die Hallenser waren als Prototyp der geplanten Betriebssportgemeinschaften als Meister vorgesehen und durften als einzigste Mannschaft der Endrunde im heimischen Stadion spielen (ansonsten nur neutrale Plätze). Dann gab es am 31. Dezember 1949 noch etwas zu feiern: Im Abschiedsspiel des fast 44-jährigen Richard Hofmann besiegten die Friedrichstädter am Silvesterabend im ersten Flutlichtspiel Deutschlands die DDR-Nationalmannschaft im Heinz-Steyer-Stadion mit 2:0. Am letzten Spieltag der DS-Liga unterlag die SG Friedrichstadt am 16. April 1950 der ZSG Horch Zwickau (heute FSV Zwickau) mit 1:5 vor über 60000 Zuschauern im Heinz-Steyer-Stadion im Ostragehege. Weitere 40000, die nicht mehr ins Stadion durften, warteten vor den Eingängen. Obwohl das Spiel erst um 15:30 Uhr beginnen sollte, war die Arena bereits um 6 Uhr morgens überfüllt. Viele Fans übernachteten vor dem Stadion, um sich einen Platz zu sichern. Auch waren gefälschte Eintrittskarten im Umlauf. Auf dem Schwarzmarkt kostete ein Ticket 100 DDR-Mark (Normalpreis 80 Pfennig), ein damals unvorstellbar hoher Preis. Der Zuschauerschnitt bei den Heimspielen der SG Friedrichstadt betrug in dieser Saison für die damalige Zeit unglaubliche 28230 Menschen. Der Schiedsrichter hatte, wie später nachgewiesen wurde, von den DDR-Funktionären den Befehl bekommen, für Zwickau zu pfeifen. Aufgrund des offensichtlichen Betruges fanden nach Spielschluss im Stadion die größten Ausschreitungen in der Geschichte der noch jungen DDR statt.

Der letzte Deutsche Meister, ein bürgerlicher Verein, hätte unter keinen Umständen erster DDR-Meister werden dürfen. Den Friedrichstädtern blieb nur die Vizemeisterschaft. Die angekündigten Medaillen dafür haben die Spieler bis heute nicht erhalten. Die Krawalle nahmen die DDR-Politiker zudem als willkommenen Grund, Stadion und Mannschaft zu sperren. Walter Ulbricht persönlich versprach, "den alten DSC-Geist mit Stumpf und Stil auszurotten". Die Erinnerung an große Zeiten sollte ausgelöscht werden. Mannschaftskapitän Helmut Schön wurde wegen Unsportlichkeit für ein Jahr gesperrt. Spieler Hans Kreische im Rückblick: "Wir hatten schon vor dem entscheidenden Spiel im Ostragehege den Eindruck, dass vieles gegen uns ging. Wir galten als die Nachfolger der berühmten DSC-Mannschaft, als 'bürgerliche' Truppe. Verbindungen nach dem Westen waren natürlich da. Das war manchem Funktionär ein Dorn im Auge. Außerdem trugen wir schwarze Hosen, weiße Hemden und hatten auf unserem Emblem die DSC-Fahne. Da meinten manche, wir wären Nazis. Das stimmt nicht. In unserem Verein verkehrten Geschäftsleute, die uns unterstützten. Von ihnen habe ich manches gelernt. Da konnten sich die Spieler auch mal was abholen. Ich bekam beispielsweise von Bramsch, wo ich arbeitete, einmal ein Stück Hefe. Was haben wir uns gefreut. Beim Bäcker gab es dafür zwei, drei Brote. Ulbricht hat uns Dresdnern damals überhaupt nicht gratuliert. Er sprach bei der Meisterfeier in Loschwitz nur zu den Zwickauern, als ob es uns überhaupt nicht geben würde. Wir saßen da wie die dummen Jungs, wurden überhaupt nicht beachtet. Da haben wir uns leise abgesprochen, sind aufgestanden und rausgegangen. Was sollten wir dort? Wir sind als Mannschaft ins Stadion gefahren und haben mit unseren Fans im Ostragehege gefeiert. Bis früh haben wir Bier getrunken. Es waren unglaubliche Stunden." Das verlogene Gesicht des Verbrecherstaates DDR, es zeigte sich in den staatstreuen Zeitungen: "Das Publikum im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion setzt sich zum größten Teil aus den Anhängern des Dresdner Sport-Clubs zusammen. Der Dresdner Sport-Club ist in der Mannschaft von Dresden-Friedrichstadt zusammengefaßt. Die Sportgemeinschaft Friedrichstadt ist aber eine Sportgemeinschaft der Demokratischen Sportbewegung, sie stellt also grundsätzlich etwas anderes dar als der frühere Feudalclub des DSC. Das haben offenbar noch nicht alle Spieler bei Friedrichstadt so recht begriffen, sonst hätten sie nicht nach Abpfiff des Spiels kurzerhand das Spielfeld verlassen, ohne ihren Gegner, der immerhin einen 5:1-Sieg errang, zu der Meisterschaft zu gratulieren. Noch viel weniger scheint aber die frühere Anhängerschaft des DSC begriffen zu haben, daß der Club und seine unrühmliche Tradition der Vergangenheit angehört." Wie anders da doch Mannschaftskapitän Helmut Schön, mit echtem DSC-Geist auf der Meisterehrung: "Die ZSG Horch Zwickau war unbestreitbar die bessere Mannschaft. Wir reichen unseren Zwickauer Kameraden die Freundeshand." Und das nach diesem Spiel, einem Spiel, in dem die Zwickauer überhart zu Werke gingen durften und bewusst versuchten, die Friedrichstädter Mannschaft zu dezimieren. Einem Spiel, in dem die Zwickauer Führung zum 1:2 regelwidrig erzielt wurde. Einem Spiel, in dem die foulbedingte Dezimierung der Dresdner Mannschaft auf acht Spieler vom Schiedsrichter ignoriert wurde.

Die Sperren gegen die SG Friedrichstadt konnten nicht mehr umgesetzt werden, denn schon Wochen vor dem Spiel gegen Zwickau hatten sich viele Spieler dazu entschlossen, nach West-Berlin zu flüchten und bei Hertha BSC zu spielen. Aus Trotz gegen die staatliche Willkür rückten die Spieler noch enger zusammen. Sie besannen sich auf die großen Sport-Club-Traditionen, wollten den Namen DSC erhalten und fassten den Entschluss, gemeinsam im Westen als Mannschaft weiterzumachen. Als "Hertha BSC/DSC Berlin" wurde die Saison 1950/51 gespielt. Bei der Flucht der Mannschaft hatte auch der jüdische Kaufmann Ignatz Bubis aus Berlin, ein alter DSC-Fan, tatkräftig mitgeholfen. Dazu die DDR-Presse: "Die Spieler der ehemaligen ersten Fußballmannschaft der Sportgemeinschaft Dresden-Friedrichstadt verließen das Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik. Dieser Schritt der Spieler ist die Fortsetzung ihres unsportlichen und undemokratischen Verhaltens im Heinz-Steyer-Stadion anläßlich der Fußballmeisterschaft der DDR. Einige dieser Spieler haben bereits seit langer Zeit der Demokratischen Sportbewegung Schaden zugefügt. Ihr Abgang bedeutet daher für die dem Frieden dienende Demokratische Sportbewegung keinen Verlust. Für die Demokratische Sportbewegung ziehen wir aus diesem Vorfall die Lehre, noch besser und intensiver zu lernen, zu arbeiten und zu trainieren, unsere jungen Sportler zur Liebe zu unserer Deutschen Demokratischen Republik und ihrem Präsidenten Wilhelm Pieck zu erziehen, sie bereit zu machen zur Arbeit und zur Verteidigung des Friedens. Vorbild dabei sind uns die Sportler der großen sozialistischen Sowjetunion sowie die Sportler der Volksdemokratien. Die Nationale Front des demokratischen Deutschland ist eine Macht in ganz Deutschland, sie überzeugt und organisiert, und morgen wird sie ganz Deutschland befreien."

Nochmal Spieler Hans Kreische: "Das kam alles richtig ins Rollen, nachdem man unsere Mannschaft von Dresden-Friedrichstadt im entscheidenden Spiel um die erste DDR-Meisterschaft gegen Horch Zwickau betrogen hatte. Wir wurden jedenfalls mächtig verschaukelt. Man wollte uns damals nicht als Meister, weil wir als bürgerlicher Verein galten, als Nachfolger des berühmten Dresdner SC. Helmut Schön war als erster weg. Der war schon alleine abgehauen. Der kannte einen zuverlässigen Spediteur, nahm Urlaub und verschwand mit seinen Möbeln nach Berlin. Wir anderen Spieler beschlossen dann, ebenfalls zu Hertha zu wechseln. Wir sind dann mit einer Taxe von Dresden nach Berlin gefahren, Drognitz, Keßler, mein Bruder Max und ich. Das war damals alles geheim. Ignatz Bubis hatte einen Laden in Dresden, da wurden Tauschgeschäfte abgewickelt. Der hat sich mit viel Fleiß nach oben gearbeitet. Bubis war ein fußballverrückter Mann. Der trainierte oft bei uns, bei Friedrichstadt, mit. Als Geschäftsmann unterstützte er uns auch ab und an, gab mal ein Mittagessen aus oder steckte uns eine Flasche Likör zu. Bubis war bereits 1950 nach West-Berlin gegangen, riet uns, zu Hertha zu wechseln und wenn ich mich richtig erinnere, organisierte er einen großen Wagen, mit dem einige Spieler dann nach Berlin fuhren. Wir Sachsen gewannen bei einem ersten Test gegen die Berliner bei der Hertha mit 4:2. Helmut Schön spielte da einen guten Ball und vorne gelangen Bomber Lehmann die Tore. Schon da begannen die ersten Missverständnisse, kam erster Neid auf. Das Verhältnis zwischen den beiden Mannschaftsparteien war gestört. Wir waren auch im Charakter, in der Mentalität zu unterschiedlich. Das alles kam nie richtig unter einen Hut."

TEIL IV: Im westdeutschen Exil (1950 - 1968)

Hertha BSC/DSC Berlin entschloss sich 1951 dazu, die Buchstaben DSC wieder aus seinem Namen zu streichen. Und dies obwohl in der Saison 1950/1951 zeitweise neun Exil-Dresdner und nur zwei Berliner aufliefen.

Hinter den Berliner Übermannschaften Tennis Borussia und SC Union 06 wurde die Saison auf dem dritten Platz abgeschlossen (nach einem drittletzten Platz in der Vorsaison). 48 der 61 Saisontore wurden von DSCern geschossen (Kurt Lehmann 18, Rolf Drognitz 9, Jürgen Küchenmeister 9, Hans Kreische 7, Kurt Jungnickel 3, Karl Kunstmann 1, Helmut Schön 1). Es kam zur Trennung, denn der Name DSC sollte erhalten bleiben. Wie schon 1950 hatten wieder alle Spieler Angebote von anderen Vereinen bekommen, teils sogar hochkarätige aus dem Ausland. Viele Westvereine wollten die Spieler aufnehmen, in die eigenen Klubfarben, versteht sich.

Die DSCer wollten aber zusammenbleiben. Dann kam die TSG 1878 Heidelberg mit ihrem verlockenden Angebot. Sie versprach den DSCern eine neue Heimat als selbstständige Abteilung. Bis auf drei der ehemaligen Berliner Dresdner (Helmut Schön, der wegen seines Meniskusschadens endgültig als Aktiver aufhörte und als Trainer weitermachte, Kurt Lehmann und Rolf Drognitz) nahmen alle an und wechselten im Sommer 1951 zur TSG 1878 Heidelberg. Für die fußballschwache Stadt am Neckar eine enorme Transfusion, die Chance, aus dem fußballerischen Schatten herauszutreten. Aber die Pläne einiger Heidelberger Idealisten zerplatzten wie die berühmte Seifenblase. Die Umstände waren zu widrig. Das DSC-Team wollte, da aus der Berliner Zeit ausnahmslos Vertragsspieler, in der 2. Division Süd spielen, aber dort war kein Platz mehr frei. Egal, Hauptsache DSC!

Also zurück ins unbezahlte drittklassige Lager, die 1. Amateurliga Nordbaden. Aber auch hier machte niemand Platz für die Vertragsspieler. Also ein Jahr "außer Konkurrenz"! DSCer und die besten Heidelberger TSGer kickten gemeinsam im DSC-Trikot. Richtig los ging es dann am 30. April 1952, dem 54. Geburtstag des DSC. Als Fusion des DSC mit der Fußballabteilung der TSG 1878 Heidelberg wurde der "Dresdner Sport-Club Heidelberg" aus der Taufe gehoben. Man hoffte auf den baldmöglichsten Aufstieg in die 2. Liga, aber die Schwierigkeiten wuchsen. Die Saison 1952/1953 wurde mit vier Punkten Rückstand auf den Meister FV Daxlanden 1912 hinter dem FV 08 Hockenheim nur auf dem dritten Tabellenplatz abgeschlossen. In der Saison 1953/1954 landete man schließlich nur noch auf dem zwölften Tabellenplatz, der Aufstieg rückte in weite Ferne. Nur im Süddeutschen Verbandspokal gelang noch mal ein Achtungserfolg: In der 1. Runde besiegte der DSC am 16. Mai 1953 den Zweitligisten VfL 1884 Mannheim-Neckarau mit 1:0. In der 2. Runde am 30. Mai 1953 schied man allerdings nach einem 0:2 gegen den Ligakonkurrenten SG Kirchheim aus. Nach einem 15. Tabellenplatz in der Saison 1957/1958 erwischte es den DSC schließlich: Abstieg in die viertklassige 2. Amateurliga Rhein-Neckar, Staffel 2.

Die Rothemden hatten nur einen einzigen Punkt Rückstand auf den Mannheimer FC Phönix, der Nichtabstiegsplatz 14 einnahm. Rückblickend darf man sagen, dass der DSC in der 1. Amateurliga zwar zu den besten Teams zählte, aber ohne Unterbau viel anfälliger als die Konkurrenz war. Verletzte waren unersetzlich und Nachwuchs war nicht vorhanden. Die DSCer wurden ja auch nicht jünger. Die Mannschaft schrumpfte nach Verletzungen quantitativ und qualitativ. Hinzu kamen auch noch Sportplatzsorgen und die Eifersüchteleien der angestammten Amateurvereine, die die zugewanderte Konkurrenz zwar bewunderten, aber nicht liebten und daraus auch manchmal keinen Hehl machten. Auch zwei Viertliga-Vizemeisterschaften 1959/1960 und 1962/1963 konnten nicht darüber hinwegtäuschen: Der Dresdner SC Heidelberg war kein Dresdner SC mehr. In der Saison 1966/1967 belegte der DSC den letzten Tabellenplatz und stieg in die fünftklassige A-Klasse Heidelberg, Staffel 2, ab, in der in der Saison 1967/1968 nur der dritte Tabellenplatz erreicht wurde. Am 28. Juni 1968 fusionierte der Dresdner SC Heidelberg mit der Freien Turnerschaft Heidelberg (gegründet am 9. Oktober 1902) zum Heidelberger SC. Der Dresdner SC Heidelberg war ein Provisorium, als Überbrückung gedacht. In Zeiten des Kalten Krieges kam aber immer mehr die Einsicht, dass es einen Dresdner SC in seiner Heimatstadt Dresden wohl nie wieder geben würde.

Von den alten Dresdnern spielte ohnehin niemand mehr, also wozu sollte es dann noch einen Dresdner SC Heidelberg geben? Die Neugründung eines großen Heidelberger Sport-Clubs war auch eine Chance für den Sport in der Stadt Heidelberg. 1969 schloss sich dann auch noch der Turnerbund Heidelberg dem neuen Großverein an. Die Fußballabteilung des Heidelberger SC, die übrigens noch heute ihr Gründungsdatum mit dem 30. April 1898 angibt, spielt heute in der Kreisliga B Heidelberg-Nord (9. Liga). Helmut Schön rückblickend im Jahre 1970: "In einer Verhandlung, die für einen späteren Zeitpunkt angesetzt war, wollte man mich offenbar wegen der Vorgänge im Spiel gegen Zwickau verurteilen, obwohl alle wussten, wer die eigentlichen Schuldigen waren. Im zertrümmerten Dresden war die sportkameradschaftliche Verbundenheit der Freunde vom Ostragehege der letzte Halt gewesen, der Heimat die Treue zu bewahren. Durch glückliche Umstände waren wir bei der Bombardierung am Leben geblieben, aber nun kam dieser letzte Schock, und der Weg mit meiner Familie konnte nur dorthin führen, wo der Sport von politischem Druck und staatlichem Zwang frei war. Unter diesen Umständen verließen wir zu Pfingsten 1950 unser geliebtes Dresden.

Wenig später gingen auch die restlichen Mitglieder der Mannschaft nach Berlin und schlossen sich der ruhmreichen Hertha BSC an. Ich war davon überrascht und blieb bei meinen alten Kameraden, obwohl ich ein Angebot als Trainer in Westdeutschland hatte. Der neue Verein trug einige Zeit den Namen Hertha BSC/DSC, aber die Verhältnisse waren schließlich stärker als der Wille, zusammenzubleiben. Trotz vorbildlicher Betreuung seitens des Berliner Verbandes und redlicher Bemühungen von Hertha BSC kam nie eine rechte Ehe zustande. Unzufriedenheit mit der Wohnung und den Arbeitsplätzen führte schließlich zu einer neuen Trennung. Ich hatte meinen Weg nach Westdeutschland längst angetreten, als sich der Rest der Dresdner in Heidelberg niederließ, um dort den alten DSC wieder aufleben zu lassen. Was aber schon die Berliner Zeit bewiesen hatte, wurde hier von neuem bestätigt: Einen Club kann man nicht fern von seiner Heimat wiedererstehen lassen und zur Blüte bringen. Eine Mannschaft allein ist noch kein Verein, und wenn der DSC wieder zum großen Sport-Club werden möchte, kann das nur in seiner Heimatstadt Dresden geschehen."

TEIL V: Mit dem Mut der Unterdrückten (1950 - 1990)

In Dresden sollten sich 1950 die Reste der SG Friedrichstadt laut Staatsmacht der Betriebssportgemeinschaft der Vereinigten Volkseigenen Betriebe Tabak Dresden (gegründet am 1. Juni 1910 als Dresdner SV 1910 durch Zusammenschluss von vier sogenannten wilden Vereinen aus Striesen, Blasewitz, Tolkewitz und Laubegast, im Mai 1933 von den Nazis verboten und aufgelöst, am 22. Juni 1945 neugegründet als SG Striesen, 1948 bis 1949 ZSG Nagema Dresden, ab 1952 BSG Empor Tabak Dresden, am 27. Juni 1990 Rückbenennung in Dresdner SV 1910, dessen Fußballabteilung sich im Juni 1991 als SG Dresden-Striesen selbstständig machte) anschließen. Tabak-Vereinsvorsitzender Otto Nagel, ehemaliger Spieler des Dresdner SV 1910, war aber aus historischen Gründen gegen die Verpflanzung.

Auch ein Versuch des ehemaligen DSC-Vorsitzenden Alwin Weinhold, die Friedrichstädter als Dresdner Sport-Centrum (DSC) unter der Trägerschaft der Deutschen Reichsbahn spielen zu lassen, wurde von den Kommunisten im Keim erstickt. Schließlich schlossen sich die verbliebenen Spieler der 2. Mannschaft, die Nachwuchsspieler und einige Trainer der "Sportgruppe Mickten" (1901 gegründet als FC Bayern Dresden, ab 1903 FC Brandenburg Dresden, 1920 Fusion mit dem FC Meteor Dresden zum SV Brandenburg 1901 Dresden, 1933 Fusion mit Rasensport Dresden und Ring-Greiling Dresden, von 1902 bis 1930 Dresdner FC Fußballring, zu Dresdner Sportfreunde 01, 1945 Lösung der Fusion und Gründung der SG Pieschen, ab 1946 SG Mickten, und der SG Neustadt, ab 1950 BSG Bau Union Süd Dresden, ab 1952 BSG Aufbau Dresden-Mitte, am 4. Mai 1990 Rückbenennung in Sportfreunde 01 Dresden, Ende 2001 Fusion mit dem SV Dresden-Nord zu Sportfreunde 01 Dresden-Nord) an.

Da der Aufstieg der SG Mickten in die DDR-Oberliga zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen war und Dresden nach dem Willen der politischen Machthaber einen Erstligisten haben sollte, wurde im Juni 1950 die SG Deutsche Volkspolizei Dresden (ab 12. April 1953 SG Dynamo Dresden, seit 1. Juni 1990 1. FC Dynamo Dresden) ins Leben gerufen. Zu diesem Zweck wurden im Juli 1950 17 Spieler aus elf Städten nach Dresden delegiert. Die SG Mickten, Nachfolgerin der SG Friedrichstadt, fusionierte am 1. Mai 1950 mit der Fußballabteilung von Sachsenverlag Dresden zur "Betriebssportgemeinschaft Sachsenverlag Dresden".

Spielstätte wurde das Stadion an der Eisenberger Straße, später Paul-Gruner-Stadion genannt. Die Vereinsfarben waren Schwarz-Weiß. Die BSG Sachsenverlag Dresden musste sich im August 1950 in "Betriebssportgemeinschaft Rotation Dresden" (seit 1990 TSV Rotation Dresden) umbenennen. Am 21. November 1954 erfolgte schließlich die Gründung des "Sportclub Einheit Dresden" im Moritzburger "Gasthof Adam". Neue Heimstätte wurde das Rudolf-Harbig-Stadion. Die Vereinsfarben waren Rot-Weiß. Die Oberliga-Fußballer der BSG Rotation bestritten ihr Auswärtsspiel beim ZSK Vorwärts KVP Berlin (heute Frankfurter FC Viktoria) an diesem Tag bereits in Trikots mit der Aufschrift "SC Einheit Dresden", der endgültige Übertritt von Teilen der Fußballabteilung (1. und 2. Mannschaft sowie der Leistungsbereich der Junioren) der BSG Rotation als Fußballabteilung zum SC Einheit erfolgte aber erst im Dezember 1954. Sportliche Höhepunkte dieser Jahre waren sicherlich die zahlreichen Freundschaftsspielsiege wie 1951 gegen den Floridsdorfer AC (1:0), 1952 gegen den ESV Admira Wien (5:4) und den SV Werder 1899 Bremen (5:3), 1954 beim Offenbacher FC Kickers 01 (4:2) und bei Hertha BSC (4:1), 1955 gegen Helsingborg IF (2:1) und HJK Helsinki (7:0), 1956 gegen den Borussia VfB Neunkirchen (2:1) und 1959 gegen den VfR Neumünster 1910 (3:2), um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Und dann war da natürlich noch der Sieg im FDGB-Pokal 1958. Durch ein 2:1 nach Verlängerung gegen den SC Lokomotive Leipzig (heute FC Sachsen Leipzig) wurde der SC Einheit am 14. Dezember 1958 im Cottbusser Max-Reimann-Stadion DDR-Pokalsieger.

Für den SC Einheit, der ab 1957 seine Zelte wieder im Ostragehege aufschlagen durfte, kam 1962 der große Schock: Abstieg aus der DDR-Oberliga. Ein zweiter Schock folgte im Dezember 1965: Die Herauslösung der Abteilung Fußball aus dem SC Einheit wurde beschlossen. Die Fußballabteilung des SC Einheit machte sich notgedrungen schließlich am 6. Januar 1966 als "Fußballspielvereinigung Lokomotive Dresden" selbstständig. Das westliche bürgerliche Kürzel FSV wurde dem Verein dabei erst nach längerem Hin und Her zugestanden. Vereinsfarben des von der Deutschen Reichsbahn unterstützten Vereins wurden wieder Rot und Schwarz. Im Gegensatz zu anderen DDR-Städten kam es nicht zur Bildung eines Fußballclubs. Die DDR-Führung hatte Angst, ein "1. FC Dresden", gegründet als Fusion der Fußballer von SC Einheit und SG Dynamo, könnte mit dem von ihnen verhassten Dresdner SC in Verbindung gebracht werden. Die Fusionspläne wanderten in die Schublade. Dafür wurden andere Pläne umgesetzt: Am 5. August 1968 wurde die SG Dynamo Dresden zum Fußballleistungszentrum des Bezirkes Dresden ernannt. Fortan spielte Dynamo mit einer Dresdner Bezirksauswahl, denn jede Mannschaft war nun verpflichtet, talentierte Spieler zu Dynamo zu delegieren. Die FSV Lokomotive Dresden traf es am härtesten. Die Rot-Schwarzen wurden um die Ergebnisse ihrer exzellenten Jugendarbeit (DDR-A-Junioren-Vizemeister 1951 und 1968, DDR-B-Junioren-Pokalsieger 1961, DDR-C-Junioren-Meister 1961) gebracht. Dutzende Talente mussten zu Dynamo abwandern.

Die SG Dynamo als offizielle Mannschaft der "Staatssicherheits- und Schutzorganisationen" löste in den folgenden Jahren, bedingt durch die nationalen und internationalen Erfolge, die FSV Lok endgültig als beliebtesten Club der Stadt ab. Die großen Erfolge des DSC lagen lange zurück, die Dresdner waren heiß auf Spitzenfußball. Die FSV Lok konnte sich ohne staatliche Unterstützung immerhin noch bis 1984 in der 2. Liga halten. 1978 schafften es die Kicker aus dem Ostragehege sogar, sich für die Aufstiegsrunde zur DDR-Oberliga zu qualifizieren, in der der Aufstieg aber nicht gelang. Der staatliche Aufstiegssegen fehlte ohnehin. Bis zum Untergang der DDR spielten die Friedrichstädter in der Bezirksliga vor ein paar hundert Zuschauern.

TEIL VI: Die Wiederauferstehung (1990 - 1998)

Mit der politischen Wende erfolgte am 31. März 1990 die Umbenennung des SC Einheit Dresden in "Dresdner Sportclub 1898". Die DSC-Fahne und die Vereinsfarben Schwarz-Rot erlebten dabei ihr schon nicht mehr für möglich gehaltenes Comeback.

Am 1. Juli 1990 trat die FSV Lok dem Dresdner SC 1898 als Fußballabteilung bei. Die SG Dynamo sollte nach dem Wunsch der Gründer des neuen Dresdner Sport-Clubs auch dem neuen DSC beitreten, aber dort wollte man lieber seine eigene Tradition erhalten und gründete den 1. FC Dynamo Dresden. In der Saison 1990/1991 wurde der DSC sofort Meister der Bezirksliga Dresden. 1991 war auch das Jahr, in dem die Fußballerinnen des SV Motor TuR Dresden-Übigau (bis 1990 BSG Motor TuR Dresden-Übigau) zum DSC wechselten.

Schon seit Mitte des Jahres 1968 wurde im Ostragehege Frauenfußball gespielt, denn als erste Frauenfußballmannschaft in ganz Deutschland wurde in diesem Jahr ein Frauenteam bei der BSG Empor Dresden-Mitte gegründet. Die BSG Empor Dresden-Mitte schloss sich 1981 der BSG Motor TuR Dresden-Übigau an, deren Frauenmannschaft 1972 gegründet wurde. Die größten Erfolge der Frauen waren 1987 der Aufstieg in die DDR-Frauen-Oberliga und 1991 die Meisterschaft in der Frauen-Landesliga Sachsen sowie die Teilnahme am DFB-Frauen-Pokal. Zurück zu den Männern: In der Saison 1991/1992 wurde der DSC als Aufsteiger gleich Meister der Landesliga Sachsen und stieg in die Amateuroberliga Nordost-Süd auf.

Dort erreichte der DSC in der Saison 1992/1993 als Aufsteiger den neunten Platz und qualifizierte sich zudem für das Finale im Sächsischen Landespokal, welches aber beim FC Sachsen Leipzig mit 0:2 verloren ging. Nur ein Jahr später erfolgte aber wieder der Abstieg in die Landesliga Sachsen, denn in der Saison 1993/1994 belegte der DSC den 16. und letzten Platz. Durch die Meisterschaft in der Landesliga Sachsen 1994/1995 meldete sich der DSC aber schon ein Jahr später wieder zurück. In der Amateuroberliga Nordost-Süd wurde 1995/1996 als Aufsteiger gleich der vierte Platz erreicht. 1996/1997 wurde sogar die Vizemeisterschaft gewonnen.

Aber die Aufstiegsspiele zur Regionalliga Nordost wurden gegen die Amateure des FC Hansa Rostock leider beide mit 0:1 verloren. Beim Rückspiel im Dresdner Heinz-Steyer-Stadion hofften 4700 Zuschauer vergeblich auf den Aufstieg. Auch das Finale um den Sächsischen Landespokal wurde mit 0:3 beim Regionalligisten Chemnitzer FC verloren. Ein Jahr später war es dann aber endlich soweit: Zum 100-jährigem Vereinsjubiläum ließ der DSC in der Saison 1997/1998 die Amateuroberliga Nordost-Süd als Meister hinter sich und stieg in die Regionalliga Nordost auf.

TEIL VII: Das Auf und Ab (1998 - 2004)

Es waren wirtschaftliche Zwänge, die am 2. Dezember 1998 die Gründung des "Dresdner Sportclub Fußball 98" notwendig machten. Am 17. Dezember 1998 machte sich die Fußballabteilung des Dresdner SC 1898 schließlich selbstständig und trat dem Dresdner SC Fußball 98 bei.

Vorerst wurde aber weiterhin unter der Bezeichnung Dresdner SC 1898 gespielt. Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Dresdner SC 1898 am 21. Dezember 1998 stimmten 119 der 137 anwesenden stimmberechtigten Vereinsmitglieder (zehn Gegenstimmen, acht Enthaltungen) für die Selbstständigkeit der Abteilung Fußball. Nach der Eintragung in das Vereinsregister erhielt der Dresdner SC Fußball 98 schließlich am 12. Januar 1999 das Kürzel e. V. und somit konnte ab dem 1. Februar 1999 der Spielbetrieb der DSC-Fußballmannschaften unter dem Namen Dresdner SC Fußball 98 stattfinden. Sportlich beendete der DSC seine erste Saison in der Regionalliga Nordost als Tabellendreizehnter. Der Zuschauerschnitt lag bei 1066.

Die Sternstunde der Saison war der 1:0-Auswärtssieg beim 1. FC Dynamo Dresden am 14. April 1999. Die Saison 1999/2000 entwickelte sich von Anfang an zur bisher erfolgreichsten nach der Wende. Der DSC wurde Vizemeister der Regionalliga Nordost und scheiterte nur knapp am Aufstieg in die 2. Bundesliga. Verbunden damit war auch die sichere Qualifikation für die neue zweigleisige Regionalliga. Der Zuschauerschnitt wurde auf 2166 mehr als verdoppelt. In der Saison 2000/2001 belegte der DSC in der Regionalliga Nord den neunten Tabellenplatz (Zuschauerschnitt: 1410). Für Furore sorgte der DSC am Anfang des Jahres 2001 auch in der Halle. Als Nordostdeutscher Amateurhallenvizemeister wurde der 23. Platz bei der Deutschen Hallenmeisterschaft belegt. Unvergessen bleibt dabei vor allem der 4:1-Sieg gegen Bayer 04 Leverkusen. In der Saison 2001/2002 (Zuschauerschnitt: 1032) wurde der DSC in der Regionalliga Nord nur noch 16. und hätte eigentlich absteigen müssen. Nach dem Lizenzentzug für den 1. FC Magdeburg konnte aber doch noch der Klassenerhalt gefeiert werden. Die Saison 2002/2003 in der Regionalliga Nord (Zuschauerschnitt: 1910) begann optimal für den DSC. Drei Punkte beim VfL 1899 Osnabrück und ein Heimsieg gegen den Krefelder FC Uerdingen 05. Niemand ahnte, dass für den DSC das erste Heimspiel auch das letzte Heimspiel der Saison gewesen war.

Große Aufbruchstimmung machte sich in Dresden breit, alle Kräfte galt es zu mobilisieren. Der DSC war wieder da und die Presse sprach schon von einem neuen südlich geprägten Dresdner Kreisel. Die Erinnerung an das Jahr 2000, als das argentinische Trio Sergio German Sanchez, Fernando Sebastian Cassano und Sergio Rolando Bustos die Fans von Dresdens größtem Traditionsverein verzauberte, war wieder hellwach.

Es kam der 13. August 2002, die Flut, die dem DSC alles genommen hatte. Die weiteren 16 Heimspiele mussten im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion und im Meißener Stadion Heiliger Grund ausgetragen werden. Das Chaos regierte, die Trainingsbedingungen waren mies, das Geld wurde knapp. Auch Benefizspiele gegen die Uwe-Seeler-Traditionself (5:7 n. E.) und den Hamburger SV (0:0) konnten die Not kaum lindern. Zur Winterpause war der DSC abgeschlagener Tabellenletzter und am Ende. Das DSC-Präsidium entschloss sich am 16. Januar 2003 dazu, Cheftrainer Eberhard Vogel zu beurlauben. Sein Nachfolger wurde mit sofortiger Wirkung der Portugiese José Morais, der seit September 2002 Co-Trainer der D-Junioren des FC Schalke 04 war. Zuvor trainierte Morais von April bis August 2002 den Oberligisten SC Westfalia 1904 Herne, davor Benfica Lisboa B. Morais spielte früher in der 1. Liga Portugals bei UD Leiria. Am 28. Januar 2003 kamen auf seine Vermittlung beim DSC-Training nach Carlos Sousa da Mota (Mittelfeld, Desportivo Quardeira) zwei weitere Spieler aus Portugal zum Einsatz. Es handelte sich um den Stürmer Pedro-Miguel Rodrigues (Amora FC) und den Abwehrspieler Bruno-Miguel Baltazar (Odivelas SAD). Damit nicht genug, denn am 29. Januar 2003 trafen nochmals drei weitere Portugiesen in Dresden ein, Hélder Miguel da Costa (Mittelfeld, FC Caldas), Paolo Manuel Vieira (Sturm, SV Sintrense) und Cláudio Emanuel Oeiras (Sturm, Amora FC). Alle sechs Portugiesen wurden verpflichtet. Sie spielten, auf gut deutsch, für einen Apfel und ein Ei beim DSC, um sich in Deutschland einen Namen zu machen.

Dank seiner Sponsoren und der freundlichen Einladung des FC Porto konnte der DSC vom 13. bis zum 21. Februar 2003 in ein Trainingslager nach Tábua bei Coimbra aufbrechen. Die Organisation übernahm Trainer José Morais höchstpersönlich. Das DSC-Präsidium flog gleich mit, um mit dem FC Porto eine Kooperationsvereinbarung zu treffen. Und Fußball wurde auch gespielt im Estádio Municipal de Tábua. Am 19. Februar 2003 traf der DSC um 15:30 Uhr auf den Erstligisten Associação Académica de Coimbra und unterlag nur knapp mit 1:2. Zur selben Zeit wurde einen Tag später der Drittligist FC Porto B mit 1:0 besiegt. War es jetzt wirklich noch möglich, dem Abstieg zu entrinnen? Der Sport-Club versuchte alles! Im ersten Spiel nach der Rückrunde gelang ein 1:1 bei den Amateuren des SV Werder 1899 Bremen. Dann wurde der SV Babelsberg 03 mit 2:0 im Rudolf-Harbig-Stadion besiegt. Legendär die Worte von DSC-Trainer José Morais in der Pressekonferenz nach dem Spiel: "Heute früh habe ich Gott gefragt: 'Kann ich heute gewinnen?' Er hat geantwortet: 'Ja!' Jetzt sage ich: 'Danke, lieber Gott, Du hast mich erhört!' Fußball besteht aus Hoffnung plus Geduld plus Arbeit. Heute sind wir stolz, sollten ruhig bleiben und vielleicht ein Bier trinken." Trotz Gottes Beistand hat es für den DSC am Ende leider nicht gereicht. Es war zu spät. Nur Auswärtsspiele und dabei viele knappe Punktverluste. Nach fünf Jahren in der Regionalliga musste der Dresdner SC wieder in die Amateuroberliga Nordost-Süd absteigen.

Vorbei war damit auch die "portugiesische Invasion" beim DSC. Bruno-Miguel Baltazar wechselte nach England zum Margate FC, Hélder Miguel da Costa in die Schweiz zum FC Wil 1900. Carlos Sousa da Mota (FC Felgueiras), Cláudio Emanuel Oeiras (SC Espinho), Pedro-Miguel Rodrigues (Amora FC) und Paolo Manuel Vieira (SV Sintrense) gingen zurück nach Portugal.

Schluss beim DSC war am 2. Juli 2003 auch für DSC-Trainer José Morais. Aber auch seine Nachfolger Detlev Zimmer und Michael Krämer (ab 27. April 2004) konnten den Durchmarsch nach unten nicht verhindern. Das Fußball-Drama ereignete sich am 23. Mai 2004 im Auerbacher VfB-Stadion. Ungehemmt ließen die mitgereisten treuen DSCer, die ein Drittel des Publikums ausmachten, ihren Tränen einen freien Lauf. Trotz zwei Siegen zum Schluss musste der DSC in die 5. Liga absteigen, wegen einem Punkt. 64 Jahre 1. Liga, 22 Jahre 2. Liga, 13 Jahre 3. Liga, sechs Jahre 4. Liga und ein Jahr 5. Liga, so die Bilanz des DSC bis dahin. In der Saison 2004/2005 muss sich der Traditionsverein mit seinem neuen Trainer Jens Wagner mit den Niederungen der Landesliga Sachsen vertraut machen.

TEIL VIII: Der Absturz und die Konsolidierung (2005 - 2017)

Inhalt folgt in Kürze ...

Der Mann mit der Mütze

Udo Jürgens singt 1978 zu Ehren und zum Abschied Helmut Schön als Bundestrainer „Der Mann mit der Mütze geht nach Haus“. Noch heute wird dieses Lied kurz vorm Einlaufen der Mannschaften im Heinz-Steyer-Stadion gespielt und verweist auf die große Tradition der schwarz-mohnroten Farben.

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